Ausbildungsgang
Da es in Deutschland bisher keine offiziellen Ausbildungssysteme für Veterinärosteopathie gibt, folgen wir in der Grundausbildung dem französischen Modell der AVETAO, denn Frankreich ist das einzige europäische Land, in dem Tierärzte, durch das Engagement von Dr. Fabrice Fosse, die Möglichkeit haben, sich offiziell in der Disziplin Veterinärosteopathie prüfen und zertfizieren zu lassen.
Im ersten Jahr erhalten Sie in 10 Grundkursen eine Ausbildung, Ihre Hände zu bereits äußerst sensiblen Instrumenten zu schulen. Das Ausbildungskonzept der AVETAO ermöglicht, in Anlehnung an die traditionell französische Osteopathenausbildung, eine ungewöhnlich schnelle Sensibilisierung Ihrer Sinne. Am Ende des ersten Jahres können Sie eine Zwischenprüfung ablegen, die Ihnen ermöglicht, Ihr bisheriges Wissen in craniosacraler, faszialer, visceraler und biomechanischer Osteopathie auf einen aktuellen, abrufbaren Stand zu bringen. Von dort aus können Sie, gut vorbereitet, bereits sehr effektiv arbeiten, denn Ihnen steht ein umfangreiches Instrumentarium zur Verfügung, welches sie in der täglichen Praxis ohne apparativen Aufwand rasch und unkompliziert einsetzen können. Für die, die weiter gehen wollen, gibt es die Option, ein zweites und drittes Jahr anzuschliessen.
Unsere Ausbildung bezieht sich auf Pferde und Kleintiere, was erfahrungsgemäß für Kleintierpraktiker ein schwieriger Punkt ist. Da Osteopathie aber eine universale, d.h. an allen lebenden Individuen anwendbare Methode ist, und Pferde ausgezeichnete, sehr effektive und leicht lesbare Lehrmeister sind, sollten Sie als Kleintierpraktiker nicht davor zurück schrecken, sondern sich im Gegenteil die besondere Körpersprache der Pferde als Lernender zu Nutze zu machen.
Das zweite Jahr dient der Vertiefung und Erweiterung der im ersten Jahr erlernten Techniken. Durch die Praxis stellen sich viele Fragen neu und können parallel zum Erlernen ergänzender Techniken gestellt werden. Die Seminare der AVETAO ergänzen und erweitern das Programm des ersten Jahres. Hinzu kommen beispielsweise erste Techniken in fluider Osteopathie und einige tierartspezifische Techniken. Die Seminare der DGOM greifen einzelne, parietale Techniken heraus und vertiefen deren Verständnis.
Im dritten Jahr werden weitere tierartspezifische Seminare, aber auch anspruchsvollere Techniken in Seminarform angeboten, die ein tieferes Verständnis der Materie und umfangreichere Palpationserfahrung voraussetzen. Auch für Tierärzte, die ausschließlich eine Tierart behandeln, ist der Besuch einiger Seminare anderer Spezies anzuraten, da in einigen, tierartspezifischen Seminaren des zweiten Jahres, generelles, theoretisches und praktisches Wissen, resp. manuelle oder mentale Fähigkeiten vermittelt werden. Z.B. wird im Ursache-Folge-Ketten Kurs am Pferd das Vegetativum noch einmal unter osteopathischen Gesichtspunkten behandelt oder Narbenbehandlung wird derzeit bei den Manipulationen der Kopf-Halsstrukturen mit gelehrt. Neurovasculäre Techniken werden am Kleintier gezeigt, sind aber natürlich genauso für z.B. das Pferd relevant.
Als abschliesssende Prüfung bieten wir Ihnen eine, gemeinsam von der AVETAO, der TAO und der DGOM durchgeführte, Prüfung an, nach deren Bestehen Sie ein entsprechendes Zertifikat erhalten, welches als Trademark eingetragen ist. Das Ausbildungscurriculum mit den zur Prüfung geforderten Inhalten erhalten Sie im Laufe Ihrer Ausbildung.
Fabrice Fosse, der Leiter der AVETAO, hat sich, in dankenswerter Weise, mit einem unglaublichen Einsatz seiner Passion hingegeben, für die osteopathische Tiermedizin das Wissen vieler erfahrener Tierärzte und humaner Osteopathen sowie osteopathischer Ärzte (Dr. Francis Lizon, Dr. Dominique Giniaux, Jean Pierre Barral, Jaques Andreva Duval...) zusammen zu tragen, auf ihre Anwendbarkeit in der Tiermedizin zu prüfen und zu erweitern. Mit ihm stellen sich etliche erfahrene Kollegen aus Frankreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland den lernwilligen Tierärzten des deutschsprachigen Raums bereitwillig und engagiert als Lehrer zur Verfügung.
Über das Kooperationsabkommen mit der DGOM ist es uns gelungen, passionierte und engagierte Humanmediziner als Lehrer für einige, zur Zeit in der Tierärztlichen Osteopathie noch sehr wenig verbreitete, Behandlungstechniken zu gewinnen. Gleichzeitig schaffen wir durch die Kooperation einen Anschluss an das nationale und internationale Niveau der osteopathischen Humanmedizin hinsichtlich Qualität der Ausbildung und Lehre.
Sie sehen: Tierärztliche Osteopathie als Disziplin ist, genauso wie die Osteopathie am Menschen, noch stark im Wachstum begriffen. In der Tiermedizin können wir durch die Vielzahl der Spezies noch nicht für alle Themen tierartspezifische Seminare anbieten, so dass der Schüler gefordert ist, manche Dinge selbst von einer Spezies auf die andere zu übertragen. Bisher bieten wir Seminare mit einer Gesamtweiterbildungszeit von über 800 Stunden an.


